Monika Egglseder
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7–8 Min. Lesezeit

Welches Tool braucht mein Unternehmen wirklich? Meist weniger als gedacht

ChatGPT.

Claude.

Copilot.

Gemini.

n8n.

Make.

Zapier.

Perplexity.

Und jeden Dienstag kommen gefühlt zwölf neue dazu.

Kein Wunder, dass Unternehmen irgendwann fragen:

Welches Tool sollen wir denn jetzt nehmen?

Ich würde vorher eine andere Frage stellen:

Was möchten wir eigentlich damit lösen?

Denn „KI-Tool" ist ungefähr so präzise wie „Werkzeug".

Ein Hammer und eine Bohrmaschine sind schließlich auch beides Werkzeuge. Trotzdem möchte ich mit dem Hammer kein Loch für einen Dübel bohren.

Nicht mit dem Produkt anfangen

Ein typischer Fehler läuft ungefähr so:

Jemand sieht ein beeindruckendes Tool.

Das Unternehmen kauft Lizenzen.

Dann wird überlegt, wofür man es einsetzen könnte.

Ein halbes Jahr später nutzen drei von zwanzig Mitarbeitern das Tool gelegentlich.

Das Problem war nicht unbedingt das Produkt.

Es gab nur nie einen konkreten Anlass dafür.

Deshalb würde ich immer mit einer Aufgabe beginnen.

Zum Beispiel:

  • Wir verbringen zu viel Zeit mit Protokollen.
  • Kundenanfragen werden zu langsam verteilt.
  • Wir suchen ständig Informationen in Dokumenten.
  • Angebote dauern zu lange.
  • Mitarbeiter schreiben immer wieder ähnliche Texte.

Erst danach interessiert mich das Tool.

Welche Arten von Werkzeugen gibt es überhaupt?

Für den normalen Unternehmensalltag würde ich grob unterscheiden.

Assistenten für Texte, Recherche und Analyse

Hier landen Produkte wie ChatGPT, Claude, Gemini oder Copilot.

Sie helfen beim Entwerfen, Strukturieren, Zusammenfassen, Analysieren oder Recherchieren.

Sie sind vielseitig.

Das macht sie gleichzeitig gefährlich für die Toolauswahl.

Denn nur weil ein System vieles kann, heißt das noch nicht, dass es einen sauberen Geschäftsprozess ersetzt.

Automatisierungsplattformen

n8n, Make und Zapier gehören in eine andere Kategorie.

Sie verbinden Programme miteinander.

Wenn etwas passiert, kann automatisch etwas anderes ausgelöst werden.

Neue Anfrage kommt herein. Kundendatensatz wird angelegt. Aufgabe entsteht. Bestätigung wird verschickt.

Hier geht es weniger ums Chatten mit KI und mehr darum, Arbeitsschritte miteinander zu verbinden.

Dokumentenverarbeitung

Hier geht es zum Beispiel darum, Rechnungen, Bescheide, Verträge oder Formulare auszulesen.

Interessant wird das dann, wenn Informationen anschließend automatisch in einem anderen System weiterverarbeitet werden.

Unternehmenswissen

Eine weitere Kategorie sind Lösungen, die eigene Dokumente und Informationen durchsuchbar machen.

Statt zehn Ordner zu öffnen, kann ein Mitarbeiter beispielsweise fragen:

„Wie ist unser Ablauf bei Reklamationen?"

Die Antwort sollte dann aus den eigenen Unterlagen kommen und nachvollziehbar auf die Quelle verweisen.

Meetings und Sprache

Besprechungen mitschreiben, zusammenfassen und Aufgaben erkennen.

Das kann praktisch sein.

Hier würde ich allerdings sehr genau auf Datenschutz, Einwilligungen und den Umgang mit Gesprächsdaten schauen.

Fünf Fragen vor jeder Toolentscheidung

1. Welches konkrete Problem löst es?

Wenn niemand diesen Satz beantworten kann, würde ich noch nichts kaufen.

2. Passt es zu unseren vorhandenen Systemen?

Ein fantastisches Werkzeug bringt wenig, wenn Mitarbeiter anschließend Daten per Copy and Paste zwischen fünf Programmen hin und her bewegen.

Integration ist oft wichtiger als die tollste Einzelfunktion.

3. Welche Daten landen dort?

Kundendaten? Personaldaten? Verträge? Interne Zahlen? Oder nur öffentliche Informationen?

Je sensibler die Daten, desto genauer muss geprüft werden, wie und wo sie verarbeitet werden.

4. Was kostet es wirklich?

Nicht nur:

„19 Euro im Monat."

Sondern:

Wie viele Nutzer brauchen wir? Gibt es Verbrauchskosten? Wie wird die Nutzung berechnet? Brauchen wir zusätzliche Systeme? Was kostet Einrichtung und Pflege?

Ein günstiges Tool kann bei hohem Volumen plötzlich ziemlich teuer werden.

5. Kommen wir wieder raus?

Kann ich meine Daten exportieren? Kann ich Workflows übertragen? Was passiert, wenn sich der Preis verdoppelt? Oder wenn der Anbieter das Produkt verändert?

Das klingt am Anfang langweilig.

Später ist es plötzlich sehr spannend.

Bestehende Systeme zuerst anschauen

Bevor ein Unternehmen die nächste Software kauft, würde ich außerdem prüfen:

Was haben wir eigentlich schon?

Gerade Microsoft 365, Google Workspace, CRM-Systeme, ERP-Software und Buchhaltungsprogramme bringen heute viele Funktionen mit, die Unternehmen überhaupt nicht nutzen.

Vielleicht ist die benötigte Lösung bereits vorhanden.

Dann braucht es keine weitere monatliche Rechnung und kein zusätzliches Passwort.

Lieber kleiner anfangen

Für den Einstieg würde ich keinen „KI-Stack" mit zehn Tools planen.

Ich würde einen klaren Anwendungsfall nehmen.

Ein Werkzeug auswählen.

Testen.

Messen.

Schauen, wie die Mitarbeiter damit umgehen.

Und danach entscheiden, was fehlt.

So entsteht nach und nach eine sinnvolle Umgebung.

Nicht ein digitaler Werkzeugkeller, in dem niemand mehr weiß, welcher Schraubenzieher eigentlich wem gehört.

Mein Fazit

Das beste KI-Tool gibt es nicht.

Und ein Ranking mit Platz eins bis zehn hilft einem Unternehmen nur begrenzt.

Ein gutes Tool ist das, das:

  • ein konkretes Problem löst,
  • zu den vorhandenen Systemen passt,
  • mit den Daten vernünftig umgeht,
  • wirtschaftlich sinnvoll ist,
  • und von den Menschen tatsächlich genutzt wird.

Der Rest ist Feature-Bingo.

Und dafür würde ich persönlich kein Geld ausgeben.

Du musst dich noch gar nicht für ein Tool entscheiden. Sinnvoller ist zuerst die Frage, welcher Prozess überhaupt verbessert werden soll. Genau dort startet mein Automations-Radar.

Wenn du weiterdenken willst

Monika Egglseder

Ich beschäftige mich mit Prozessen, Digitalisierung und Business Automation für kleine und mittlere Unternehmen. Dabei interessiert mich weniger, was technisch alles möglich ist, sondern was im Arbeitsalltag tatsächlich etwas besser macht.

Prozesse. Einfach. Machen.